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Hawking: "Ende dieses Jahrhunderts kennen wir Gottes Plan"

Auf der Suche nach der "Weltformel"

München - Er gilt als einer der intelligentesten Köpfe unserer Zeit: Der britische Physiker Stephen Hawking - seit 30 Jahren wegen einer unheilbaren, fortschreitenden Muskellähmung an den Rollstuhl gefesselt und seit nach einer Luftröhrenoperation vor 15 Jahren zudem noch unfähig zu sprechen. Nur über einen Sprachcomputer kann er sich seinen Zuhöreren verständlich machen. Am Dienstag stellte er bei seinem einzigen Auftritt in Deutschland in der Münchner Residenz sein neues Buch "Das Universum in der Nussschale" vor.

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Der weltberühmte Physiker und Bestsellerautor Stephen Hawking stellte in München sein neues Buch "Das Universum in der Nußschale" vor.

Hawkings Anhänger sagen, der Kosmologe habe den Physik-Nobelpreis nur deshalb noch nicht erhalten, weil dazu seine Theorien über die Entstehung des Universums als Experiment nachweisbar sein müssten. Doch wie es heißt, soll es den Physikern in spätestens fünf Jahren möglich sein, das Entstehen schwarzer Löcher im Labor nachzustellen. Ein Eintrag in Guinessbuch der Rekorde war dem 59-jährigen Hawking dagegen bereits sicher: Sein Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit - Die Suche nach der Urkraft des Universums" wurde in 30 Sprachen übersetzt und seit 1988 über 20 Millionen Mal verkauft.

"Ich hoffe dass die Menschen mit meinem neuen Buch weniger zu kämpfen haben", sagte Hawking scherzend in München. Der Professor für angewandte Mathematik und theoretische Physik forscht seit Jahren nach einer umfassenden Erklärung, einer "Weltformel" für Anfang und Ende des Universums. "Meine Vorhersage ist, dass wir den Plan Gottes am Ende dieses Jahrhunderts kennen", sagt Hawking und fügt in seinem Verständins von Zeit hinzu: "Also sehr bald".

Eine Antwort dauert mehrere Minuten

Geduld mussten auch die Journalisten aufbringen, deren Fragen sich der 59-jährige Wissenschaftler kurz vor seinem Vortrag stellte. Auf die Antworten mussten die Fragesteller mehrere Minuten warten. Hawking kann durch seine Krankheit nur noch zwei Finger der linken Hand bewegen. Mit ihnen drückt er einen Schalter, der in seinen Händen liegt. Auf den als Pult an seinem Rollstuhl befestigten Laptop-Bildschirm, rast ein grüner Balken über die weißen Wortgruppen auf dem schwarzen Hintergrund. Hawking klickt sie als Wörter, Satzteile, oder auch nur Buchstaben an. Wie mühsam es ist, auf diese Weise seine Bücher zu schreiben, läßt sich nur erahnen. So, als ob Jugendliche einen Roman als SMS auf ihren Handy tippen müssten.

"Relativitätstheorie mit der Quantenmechanik verbinden"

Um die Weltformel zu erklären, "müssten wir die Relativitätstheorie, die allgemeine Theorie des sehr Großen, mit der Quantenmechanik verbinden, der Theorie des sehr Kleinen, verbinden", sagt Hawking. Der Begründer der Relativitätstheorie, Albert Einstein, hatte die aus der Quantentheorie folgende Unschärferelation immer abgelehnt, wonach bei einem Elementarteilichen Ort und Geschwindigkeit nicht gleichzeitig sondern nur unscharf bestimmt werden können. "Gott würfelt nicht", lautet Einsteins bekanntes Zitat. Die Versöhnung beider Theorien ist Hawkings Mission: "Dann hätten wir die Weltformel, eine allumfassende Theorie für alles, die das Universum von Anfang bis Ende beschreiben würde."

"Eine kurze Geschichte der Zeit" für Kinder

Der Vater dreier Kinder ist Inhaber des Lehrstuhls an der britischen Universität von Cambridge, den schon Isaac Newton inne hatte. "Damals war der Lehrstuhl allerdings noch nicht elektrisch", soll Hawking einmal in Anspielung auf seinen Rollstuhl gescherzt haben. Als die Ärzte seine unheilbare Krankheit "amyotopische Lateralsklerose (ALS)" mitten in seiner Studienzeit diagnostiziert hatten, gaben sie ihm nur noch ein bis zwei Jahre. Heute will Hawking mit seinen Büchern, den Menschen helfen, zu verstehen, wie das Universum funktioniert. Zurzeit arbeitet er an einer Fassung von "Eine kurze Geschichte der Zeit" für Kinder.

"Gibt es intelligentes Leben auf der Erde?"

Link:

  • http://www.hawking.org.uk

  • Auf die Journalistenfrage, ob er an intelligentes Leben im Universum glaube, kontert Hawking scherzend: "Gibt es intelligentes Leben auf der Erde?" Wenn es Außerirdische gebe, müssten sie sehr weit entfernt sein, sonst hätten sie die Erde besucht und die Menschheit hätte dies auch mitbekommen: "Es wäre so gewesen wie in dem Film 'Independence Day'", sagt der Physiker, der weder vom Guten im Menschen noch im Alien überzeugt scheint.

    Hawking sieht das Universum in einem Raum aus vielen Dimension. "Mehr als die vier, die unserer Erfahrung zugänglich sind". Der Raum berge womöglich zahllose weitere Welten. Die Zeit beginne mit dem Urknall und Ende in einem schwarzen Loch. was Gott zu seinen Theorein sagen würde? "Ich hoffe er würde lächeln. Wenn nicht, wäre ich in großen Schwierigkeiten".

    Für die Besiedelung des Weltraums

    Das menschliche Leben könnte nach Ansicht des britischen Astrophysikers Stephen Hawking noch vor dem Ende dieses Jahrtausends von einem Virus ausgelöscht werden. Auf lange Sicht stellten biologische Waffen für die Menschheit eine deutlich größere Bedrohung dar als Atomwaffen, sagte Hawking der britischen Tageszeitung "Daily Telegraph" (Dienstagsausgabe). "Es besteht die Gefahr, dass wir entweder aus Versehen oder mit Vorsatz einen Virus züchten, der uns zerstört."

    Die einzige Überlebensmöglichkeit für die Menschheit biete der Weltraum. "Ich denke, dass die Spezies Mensch die nächsten tausend Jahre nur dann überleben wird, wenn wir ins Weltall expandieren", sagte der Autor des Bestsellers "Eine kurze Geschichte der Zeit". Dazu müssten die menschlichen Gene so manipuliert werden, dass sie das jahrelange Reisen im Weltall und ein Leben auf einem anderen Planeten ermöglichten.

    (Stephen Hawking: das Universum in der Nussschale. 224 Seiten. Hoffmann und Campe Verlag, 2001. 49.90 Mark)

    AP, AFP - Foto: AP

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    Zuletzt geändert am 16. Oktober 2001 17:15 von aj

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