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Ein Jahr Bundestrainer a.D.: Vogts genießt das Leben

Will Berti etwa auf den Mond?

Dortmund - Berti Vogts hat das Jahr nach seinem Rücktritt als Bundestrainer in vollen Zügen genossen und seinen damaligen Abschied vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) nicht bereut.

"Hinter mir liegt tatsächlich ein wunderschönes Jahr", sagte Vogts, der am 7. September 1998 seinen Stuhl geräumt hatte, in einem Interview mit dem Fachmagazin "Kicker". Die Begleiterscheinungen, die sein Aus nach 19 Trainerjahren beim DFB begleitet hatten, hat der 52-Jährige inzwischen verarbeitet. "Die Wunden von damals sind alle vernarbt", meinte Vogts: "Heute blicke ich ohne Zorn und mit erhobenem Haupt auf 102 Länderspiele als Bundestrainer zurück."

Urlaub mit der Familie

"Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken" - frei nach Goethe gestaltete Vogts die letzten zwölf Monate als Privatmann: "Ich nutze die Zeit und gönne mir fast ausschließlich Dinge, die mir und meiner Familie Spaß machen." Dazu zählten Stippvisiten in den Schwarzwald ("So oft es geht"), Urlaubsreisen nach Dubai und Amerika sowie eine Kreuzfahrt mit der MS Deutschland von Bombay nach Zypern.

Viel Freizeit

Mit regelmäßigem Unterricht in Englisch und auf dem Golfplatz (Handicap 26) sowie einem zehntägigen Praktikum beim englischen Champions-League-Gewinner Manchester United füllte er seine üppige Freizeit aus. "Und wenn ich es für richtig halte, übermorgen zum Mond zu fliegen, dann mache ich das", dokumentierte Vogts ungebrochene Unternehmungslust.

Lieber nach Frankreich als zur Nationalelf

Die deutsche Nationalmannschaft, die er 1996 zum EM-Titel geführt hatte, berührt Vogts nur noch am Rande. Die Spiele der DFB-Elf gehören längst nicht mehr zum Pflichtprogramm des Ex-Bundestrainers, der auch am Mittwoch lieber einer Einladung nach Frankreich folgt als sich das Richtung weisende EM-Qualifikationsspiel in Dortmund gegen Nordirland anzuschauen.

Doch auch mit größerem Abstand ist der 97-malige Nationalspieler und Weltmeister von 1974 davon überzeugt, dass die Nationalmannschaft ihr Wellental durchschritten hat: "Auch wenn die Resultate nicht so sind, wie Erich Ribbeck sie sich vorstellt, wird die Nationalelf wieder dorthin kommen, wo sie vor einigen Jahren war. Sie wird sich für die EM qualifizieren und dort eine starke Rolle spielen." Mehr Sorgen macht sich Vogts um seinen Heimatverein Borussia Mönchengladbach, dessen Geschicke er als Aufsichtsratsmitglied mit steuert: "Die Borussia muss aufpassen, dass sie nicht durchgereicht wird."

Studienreise nach Brasilien

Seine beruflichen Ambitionen lässt Vogts weiterhin im Unklaren. "Ich werde das machen, wozu ich Spaß habe und was ich mit meiner Familie in Einklang bringen kann. Ich äußere mich erst, wenn ich irgendwo unterschrieben habe", sagte der Fußballlehrer, der "zur Erweiterung meines Horizonts" demnächst eine Fußball-Studienreise nach Brasilien unternehmen will. Zuvor aber wird er am (morgigen) Dienstag sein einjähriges "Jubiläum" als Ex-Bundestrainer feiern: "Es wird ein ganz normaler Tag sein, an dessen Ende ich einige Freunde zum Essen einlade, um mit ihnen einen schönen Abend zu verbringen und dieses Jahr Revue passieren zu lassen."

dpa, Fotos: Archiv

Geändert am 6. September 1999 14:39 von sab
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