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Kapitänsbinde weg und auf der langen Bank:Sforza vorläufig nur totes KapitalKaiserslautern - Ciriaco Sforza hat beim 1. FC Kaiserslautern ausgespielt. Der Schweizer Nationalspieler soll den pfälzischen Fußball-Bundesligisten so schnell wie möglich verlassen und mit seinem Abgang die Ruhe auf dem Betzenberg wiederherstellen.
Vorstandschef Jürgen Friedrich forderte den Spieler, der gegenwärtig bei der schweizerischen Nationalmannschaft ist, in dessen Abwesenheit auf, sich einen neuen Verein zu suchen. Beim 1. FC Kaiserslautern ist nach den rüden Attacken des 29 Jahre alten Mittelfeldspielers gegen Cheftrainer Otto Rehhagel definitiv kein Platz mehr. "Er soll gehen, damit hier wieder in Ruhe vernünftig gearbeitet werden kann", sagte Friedrich am Dienstag. Kein Rückhalt im TeamSforza setzt sich mit seinen Angriffen gegen Rehhagel, dem er in einem Zeitungs-Interview falsche Personalpolitik, fehlerhafte Taktik und antiquierten Führungsstil vorwarf, zwischen alle Stühle. Er hat nicht nur beim Vereinsvorstand um Aufsichtsratschef Robert Wieschemann, dem Vorstandsvorsitzenden Friedrich und bei der Trainer- Ikone Rehhagel jegliche Reputation verloren, sondern offensichtlich auch keinen Rückhalt mehr in der Mannschaft. Sämtliche FCK-Profis unterschrieben am Dienstag eine Erklärung, wonach sie sich nicht an einer angeblichen Unterschriften- und Solidaritätsaktion für Sforza beteiligt haben. Wenn Sforza am Freitag vom EM-Qualifikationsspiel gegen Weißrussland aus der Schweiz nach Kaiserslautern zurückkehrt, wird er nichts mehr so vorfinden, wie es für den vor einem Jahr noch gefeierten Mittelfeld-Regisseur einmal war. Rehhagel wird dem 29- Jährigen die Kapitänsbinde wegnehmen und entweder Martin Wagner oder Olaf Marschall zum neuen Mannschaftssprecher ernennen. Beide waren bisher Sforza-Vertreter. Gleichzeitig wird Sforza offiziell erfahren, dass er im Auswärtsspiel am Sonntag bei Werder Bremen nicht mehr zum Lauterer Aufgebot gehört. Den Schweizer erwartet ein demütigendes Wochenende
Statt dessen wird es ein demütigendes Wochenende für den aufmüpfigen Schweizer geben. Er soll mit einem der beiden Lauterer Co-Trainer Reinhard Stumpf oder Hubert Neu allein auf dem Betzenberg trainieren. Friedrich: "Ich gehe davon aus, dass Sforza nie wieder für uns spielen wird." Diese Entwicklung habe Sforza selber provoziert, nachdem er Friedrich wenige Tage vor Trainingsbeginn am 23. Juni kategorisch seinen Ausstieg in Kaiserslautern und seinen Wechsel zu Borussia Dortmund erklärt hatte. Dass die Westfalen für Sforza (Vertrag bis 2001) indes nur eine Ablösesumme von fünf statt der von Sforza genannten 20 Millionen Mark und eventuell Andreas Möller als Tausch angeboten hätten, sieht Friedrich als "schallende Ohrfeige" für den Spieler. "Sforza hat sich aus egoistischen Gründen außerhalb der Regel und des Anstands gestellt. Das lassen wir uns nicht bieten." Die neue Saison sei gerade drei Spieltage alt "und schon haben wir Terror im Haus", so Friedrich. Die Angriffe gegen Rehhagel seien ohnehin nicht nachzuvollziehen. Der Trainer habe sich bei der öffentlichen Kritik an Sforza, dem deutlich nachlassende Leistungen vorgeworfen wurden, immer wieder schützend vor ihn gestellt. Rehhagel habe zu allen seinen bisherigen Spielern ein nach wie vor intaktes Verhältnis, "weil er seit Jahren eine saubere Arbeit abliefert und menschlich integer ist". Ohne Kündigung bleiben die Transferrechte auf dem BetzeEs sei logisch, dass sich der 1. FC Kaiserslautern im "Fall Sforza" nicht einer durchaus möglichen fristlosen Kündigung bedient: "Wir sind doch keine Dummköpfe und lassen uns mit einem solchen Schritt die Transferrechte für einen Spieler aus der Hand nehmen." Vorläufig ist der 29-Jährige, der vor zwei Jahren für eine Ablösesumme von 6,5 Millionen Mark von Inter Mailand losgeeist wurde, beim 1. FC Kaiserslautern allerdings nur noch totes Kapital. Von Rolf Sperber, dpa - Fotos: dpa
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| Geändert am 7. September 1999 14:22 von ahappe | ||||||||||